Prokrastination, oder: die Kunst des produktiven Aufschiebens

Veröffentlicht von Mercedes-Benz auf She’s Mercedes am 24. Mai 2018

Morgen – ein mystisches Land, in dem sich 99 Prozent der gesamten menschlichen Produktivität, Motivation und Leistung befindet. (Instagram Meme) Hatten Sie jemals Gedanken wie "Ach, das kann bis morgen warten"? Glückwunsch, dann haben Sie den Prokrastinationstest erfolgreich bestanden! Unsere Kolumnistin Hadassa analysiert in ihrer neuesten Frage der Woche, was es mit diesem Begriff auf sich hat.

Etwas Sinnvolles über das Thema Prokrastination zu schreiben, sollte ein Kinderspiel sein – schließlich praktiziere ich die Kunst des Aufschiebens regelmäßig selbst. Drei Stunden später habe ich noch kein Wort zu Papier respektive auf den Bildschirm gebracht. Stattdessen haben mir mehrere Quellen bestätigt, dass Prokrastinierende alles andere als faul sind, weil sie aktiv Dutzende andere Dinge tun, während sie der eigentlichen Aufgabe aus dem Weg gehen, und dass das Prokrastinieren sowohl vererbt als auch erlernt werden kann. Ergo: Man kann es sich auch wieder abgewöhnen. In Extremfällen gibt es dafür sogar therapeutische Unterstützung.

Nicht nichts tun

Tipps, die im Kampf gegen Prokrastination helfen sollen, gibt es genug. Vielleicht liegt das Erfolgsrezept jedoch darin, sich mit diesem Verhaltenszug anzufreunden, statt ihn zu bekämpfen. Frei nach dem Prinzip: “What you resist, persists“ – was du ablehnst, bleibt bestehen. Notorische Hobby-Aufschieber, also jene, die in der Regel ihre Deadlines einhalten und für die dadurch keine ernsthaften Schwierigkeiten im Leben entstehen, sind sich ihres Verhaltens oft bewusst und können es sich daher sogar gezielt zunutze machen.

Es ist beruhigend, zu wissen, dass diese Weisheit von einem Menschen stammt, der seinerseits bekennender Prokrastinierer ist – und Nobelpreisträger noch dazu. Er selbst hat Jahre gebraucht, um seine preisgekrönte Arbeit als Buch zu veröffentlichen. “Prokrastinierer tun selten gar nichts“, sagt John Perry. “Sie beschäftigen sich oft mit normalen, nützlichen Aufgaben wie mit Gartenarbeit oder dem Spitzen von Bleistiften oder sie erstellen ein Diagramm, um sich selbst neu zu organisieren, wenn sie Zeit haben. Warum tun sie das? Weil das Abarbeiten dieser Aufgaben sie davon abhält, etwas Wichtigeres zu tun. Wenn aber alles, was es noch zu tun gäbe, das Spitzen von Bleistiften wäre, oder es womöglich eine Deadline dafür gäbe, würde sie keine Macht der Welt dazu bringen.“

Macher statt Planer

Man nehme also die eigene To-do-Liste und sortiere sie von wichtig und dringend zu weniger wichtig und “so bald wie möglich“. Die einzige Regel ist, dass man irgendetwas von dieser Liste erledigt, während man sich vor etwas anderem drückt. Selbst wenn man sich anschließend von unten nach oben durcharbeitet – was logischerweise suboptimal ist –, bekommt man einiges geschafft. Wer erst einmal loslegt, findet zudem oft die Motivation, die wichtigeren Aufgaben oder Projekte anzugehen.

Das Prinzip besteht also darin, sich mit kleinen Schritten vom Planer zum Macher zu entwickeln und die Rebellion in Produktivität umzuwandeln. Frei nach dem überstrapazierten, aber passenden Motto “Just Do It” lautet das Geheimrezept vielleicht ganz einfach, nicht stillzustehen, sondern produktiv zu bleiben und anzugehen, was immer gerade leichtfällt und von der Liste aller Listen abzuarbeiten ist.

Nebenbei kann man sich fragen, ob alle To-dos wirklich nötig sind. Dinge aufzuschreiben, führt oft nur zu einer Art Pseudobefriedigung – und ist man erst einmal dabei, die Liste mit unnötigen Punkten aufzublähen, fehlt schnell die Motivation, die echten To-dos in Angriff zu nehmen.

Für alle, die aktuell einen Grund brauchen, sinnvoll zu prokrastinieren, gibt es hier und hier sehr unterhaltsamen und aufschlussreichen Lesestoff (auf Englisch).